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Topografie:
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Ausschnitt aus dem Stadtplan von
Wittenberg |
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Die Melanchthonstraße befindet
sich ca. 200m nördlich des ehemaligen Befestigungsgürtels der Stadt Wittenberg
und verbindet zwei nach Norden aus der Stadt herausführende Straßen in Ost-West-Richtung.
Da nach Entfestigung der Stadt die ehemaligen Wallanlagen zu einem Park umgestaltet
wurden, ist die Bebauung dieser Straße mit Jugendstil-Villen und -Häusern
Ausdruck des Bedürfnisses damaliger Beamter und Industrieller nach einer gehobenen
Wohnqualität. Das Wohnquartier zeichnet sich durch seine Nähe zum Stadtzentrum
und zu wichtigen institutionellen Einrichtungen aus, trotzdem ist es bis heute weitgehend
vom Durchgangsverkehr verschont geblieben. Die nördliche Bebauung der Straße
grenzt an die Ackerflächen traditionsreicher Wittenberger Gemüsebauern an.
Mit der Wende und den sich daraus ergebenden Eigentumsumstrukturierungen wurden viele
Häuser des Quartiers denkmalschutzgerecht saniert. Das Gebäude Melanchthonstraße
6 gehört zu den wenigen Häusern dieser Straße, die durch einen nutzerbedingten
Instandhaltungsstau dringend sanierungsbedürftig sind.
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Zeitreise:
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Christian Friedrich Wilhelm Thurmann |
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bauliche Schäden an der Villa
von Heute |
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Ansicht einer STASI Zelle. |
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Wir schreiben das Jahr 1885. Der königliche
Baurat und Kreisbauinspektor Christian Friedrich Wilhelm Thurmann lässt in der
Melanchthonstraße 6 nach seinen eigenen Entwürfen eine italienisierende
Neorenaissancevilla entstehen, die als Wohnsitz für ihn, seine Frau Emmy und die
fünf Kinder dient. Vom begehbaren Dach bietet sich ein herrlicher Ausblick über
Wittenberg und das Umland. 1890 stirbt der Erbauer Christian Thurmann an den Spätfolgen
einer Kriegsverletzung. Seine Witwe kann mit den fünf Kindern und dem damals dafür
erforderlichen Personal das bisherige Leben weiterführen, da sie finanziell gut
gestellt ist. Im Jahr 1923 verliert die Familie in Folge der Inflation ihr gesamtes
Vermögen. Das Personal wird reduziert, man zieht im großen Haus enger zusammen.
Das gesamte Obergeschoss wird vermietet. Es entstehen zwei Wohnungen, die Toilette
für beide Mietparteien zusammen auf halber Treppe. 1927 nach dem Tod von Emmy
Thurmann erlebt das Haus wieder größere Veränderungen. Es werden weitere
Zimmer "möbliert mit Morgenkaffee" vermietet. Diese Art der Vermietung
wird zu dieser Zeit sehr gern angenommen.
Die Villa übersteht die Kriegsjahre zwar von Bomben verschont, doch sie erleidet
mit Ihrer letzten Besitzerin Suse Thurmann ein ganz anderes Schicksal. Man schreibt
das Jahr 1945, im Haus finden viele oft wechselnde Mieter Obdach, Bombengeschädigte
und Flüchtlinge. Beim Einmarsch der Roten Armee werden Frau Thurmann und ihre
Mieter aus dem Haus gewiesen. Das Haus ist ihr von nun an verwehrt.
Sie stirbt 1965, ohne ihr Haus wieder gesehen zu haben.
Nach den Jahren des 2. Weltkrieges wurde die Villa ausschließlich für behördliche
Zwecke genutzt. So war sie Domizil der sowjetischen Besatzungstruppen, später
dann Dienstgebäude des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Während
der Zeit der politische Wende in der DDR wurde in den "Gebeten um Erneuerung"
die Forderung der Kirchen herausgetragen, die Anwesen des ehemaligen Ministeriums für
Staatssicherheit für die Betreuung von Menschen mit Behinderungen zur Verfügung
zu stellen. Damit sollte die schmerzliche Situation, der diese Menschen in der DDR
unterworfen waren, grundlegend zum Besseren verändert werden. Am "Runden
Tisch" wurde dieser Vorschlag aufgegriffen und letztendlich durch den Kreistag
zum Beschluss erhoben. Dem Augustinuswerk wurde über einen Erbbau-Pachtvertrag
das betreffende Gelände und die Baulichkeiten für 99 Jahre zur Verfügung
gestellt. Die Villa in der Melanchthonstraße 6 war aus diesem Vertrag vorläufig
ausgegliedert, da die Nutzung als Sozialamt aus Sicht der Kreisverwaltung Vorrang hatte.
Die Übertragung der Nutzungs- bzw. Eigentumsrechte begann nach Freilenkung des
Gebäudes im Mai 2001. Seither steht das Gebäude leer.
Alle Nutzer haben ihren Bedürfnissen entsprechende Um- und Einbauten vorgenommen.
So wurde das Dachgeschoss an der Südseite angehoben und ausgebaut. Im gesamten
Dachgeschoss wurden Leichtbauwände eingefügt. Die westliche Fassade erhielt
ein zusätzliches lang gestrecktes "Schalterfenster".
Im Kellergeschoss befindet sich eine Dokumentationsstätte, welche im Rahmen einer
ABM durch das Augustinuswerk errichtet wurde. "Häuser der Unmenschlichkeit
werden zu Häusern der tätigen Nächstenliebe", so der Titel, erinnert
an die Nutzung des Anwesens durch den Apparat der Staatssicherheit.
Anlässlich der Weltausstellung EXPO 2000 konnte u.a. dieses Exponat in der Korrespondenzregion
Dessau-Wittenberg-Bitterfeld auf dem Expo-Kirchenpfad "Wege suchen, Orte finden"
präsentiert werden.
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Zukunftsvision:
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Ansicht der Straßenseite
© bc bau-consult GmbH |
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Ansicht vom Eingangsbereich
© bc bau-consult GmbH |
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Dokumentationsstätte im Untergeschoss
Die Nutzung dieses Geschosses bleibt nach der bautechnischen Sanierung des Gebäudes
im wesentlichen unverändert. Die im Rahmen einer ABM entstandene Dokumentationsstätte
"Häuser der Unmenschlichkeit werden zu Häusern der Nächstenliebe"
soll als Besuchsobjekt für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Durch
ständige Aktualisierung der Ausstellung, die eng mit der Entwicklung der Behindertenhilfe
im Landkreis und mit der Entwicklung des Augustinuswerkes verbunden ist, soll ihre
Anziehungskraft erhöht werden.
Informations- und Kommunikationszentrum im Erdgeschoss
Das architektonisch attraktive Erdgeschoss des Gebäudes ist für die Einrichtung
eines durch die Öffentlichkeit nutzbaren Informations- und Kommunikationszentrums
vorgesehen. In ihm werden - unterstützt durch multimediale Präsentationstechniken
- Menschen mit und ohne Behinderungen über die unterschiedlichsten Probleme ihres
Zusammenlebens diskutieren, Weiterbildungsangebote wahrnehmen und thematische Ausstellungen
gestalten können. Die im Augustinuswerk erarbeiteten Möglichkeiten zur Kommunikation
mit Menschen, die sich nicht mit Hilfe der Sprache verständigen können, sollen
Interessenten zugänglich gemacht werden. Versorgungstechnische Einrichtungen runden
das Angebot ab.
Verwaltung des Augustinuswerkes im Obergeschoss u. Dachgeschoss
In den beiden oberen Etagen des Hauses werden für die zentrale Verwaltung des
Augustinuswerkes erstmals angemessene Arbeitsbedingungen geschaffen. Im Verlaufe seiner
10-jährigen Geschichte konnte das Augustinuswerk mit Hilfe von Fördermitteln
des Sozialhilfeträgers für alle Betreuungsbereiche der Behinderten- und Altenhilfe
Neubauten errichten und Altbauten sanieren. Die Notwendigkeit einer leistungs-fähigen
und auch personell erweiterten Verwaltung ergibt sich aus einem stets stei-gendem Angebot
an Plätzen für Betreute und Beschäftigte.
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Fazit:
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Perspektive nach geplanter Rekonstruktion
© bc bau-consult GmbH |
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Unsere Zielstellung ist es, dem öffentlichen
Interesse an dem Grundstück Melanchthonstraße 6 in der Lutherstadt Wittenberg
gerecht zu werden:
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ein Baudenkmal des Landes Sachsen-Anhalt
vor weiterem Verfall zu bewahren; |
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das Stadtbild der Lutherstadt Wittenberg
im Bereich der Melanchthonstraße wieder herzustellen; |
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die Dokumentationsstätte "Häuser
der Unmenschlichkeit werden zu Häusern der tätigen Nächstenliebe"
in der ehemaligen Stasi-Zentrale des Kreises Wittenberg als Besuchsobjekt für
die Öffentlichkeit erlebbar zu erhalten; |
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Integrations- und Kommunikationsmöglichkeiten
für Menschen mit Behinderungen zu schaffen; |
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das Verständnis für Menschen
mit Behinderungen und alte Menschen im breiteren Bevölkerungskreisen zu
verbessern und neue Chancen für die gleichberechtigte Teilhabe am Leben
für alle zu öffnen; |
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die Forderungen der Menschen dieser
Stadt aus den Zeiten der Wende, des Runden Tisches und des Kreistages Wittenberg
zur Stasi-Zentrale mit Leben zu erfüllen. |
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