Erhalt und Sanierung eines Kulturdenkmales



Ansicht vor der Sanierung im Februar 2002


Ansicht im Oktober 2007 nach der Rekonstruktion



Ansichten          © Augustinuswerk e. V.

"Wenn Steine reden könnten!"

 Ansichten der Villa um 1900 und 2003

Topografie:


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Die Melanchthonstraße befindet sich ca. 200m nördlich des ehemaligen Befestigungsgürtels der Stadt Wittenberg und verbindet zwei nach Norden aus der Stadt herausführende Straßen in Ost-West-Richtung. Da nach Entfestigung der Stadt die ehemaligen Wallanlagen zu einem Park umgestaltet wurden, ist die Bebauung dieser Straße mit Jugendstil-Villen und -Häusern Ausdruck des Bedürfnisses damaliger Beamter und Industrieller nach einer gehobenen Wohnqualität. Das Wohnquartier zeichnet sich durch seine Nähe zum Stadtzentrum und zu wichtigen institutionellen Einrichtungen aus, trotzdem ist es bis heute weitgehend vom Durchgangsverkehr verschont geblieben. Die nördliche Bebauung der Straße grenzt an die Ackerflächen traditionsreicher Wittenberger Gemüsebauern an. Mit der Wende und den sich daraus ergebenden Eigentumsumstrukturierungen wurden viele Häuser des Quartiers denkmalschutzgerecht saniert. Das Gebäude Melanchthonstraße 6 gehört zu den wenigen Häusern dieser Straße, die durch einen nutzerbedingten Instandhaltungsstau dringend sanierungsbedürftig sind.

Zeitreise:

Christian Friedrich Wilhelm Thurmann

Christian Friedrich Wilhelm Thurmann


bauliche Schäden an der Villa von Heute          © Augustinuswerk e. V.

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Ansicht einer STASI Zelle          © Augustinuswerk e. V.

Ansicht einer STASI Zelle.

Wir schreiben das Jahr 1885. Der königliche Baurat und Kreisbauinspektor Christian Friedrich Wilhelm Thurmann lässt in der Melanchthonstraße 6 nach seinen eigenen Entwürfen eine italienisierende Neorenaissancevilla entstehen, die als Wohnsitz für ihn, seine Frau Emmy und die fünf Kinder dient. Vom begehbaren Dach bietet sich ein herrlicher Ausblick über Wittenberg und das Umland. 1890 stirbt der Erbauer Christian Thurmann an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung. Seine Witwe kann mit den fünf Kindern und dem damals dafür erforderlichen Personal das bisherige Leben weiterführen, da sie finanziell gut gestellt ist. Im Jahr 1923 verliert die Familie in Folge der Inflation ihr gesamtes Vermögen. Das Personal wird reduziert, man zieht im großen Haus enger zusammen. Das gesamte Obergeschoss wird vermietet. Es entstehen zwei Wohnungen, die Toilette für beide Mietparteien zusammen auf halber Treppe. 1927 nach dem Tod von Emmy Thurmann erlebt das Haus wieder größere Veränderungen. Es werden weitere Zimmer "möbliert mit Morgenkaffee" vermietet. Diese Art der Vermietung wird zu dieser Zeit sehr gern angenommen.
Die Villa übersteht die Kriegsjahre zwar von Bomben verschont, doch sie erleidet mit Ihrer letzten Besitzerin Suse Thurmann ein ganz anderes Schicksal. Man schreibt das Jahr 1945, im Haus finden viele oft wechselnde Mieter Obdach, Bombengeschädigte und Flüchtlinge. Beim Einmarsch der Roten Armee werden Frau Thurmann und ihre Mieter aus dem Haus gewiesen. Das Haus ist ihr von nun an verwehrt.
Sie stirbt 1965, ohne ihr Haus wieder gesehen zu haben.
Nach den Jahren des 2. Weltkrieges wurde die Villa ausschließlich für behördliche Zwecke genutzt. So war sie Domizil der sowjetischen Besatzungstruppen, später dann Dienstgebäude des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Während der Zeit der politische Wende in der DDR wurde in den "Gebeten um Erneuerung" die Forderung der Kirchen herausgetragen, die Anwesen des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit für die Betreuung von Menschen mit Behinderungen zur Verfügung zu stellen. Damit sollte die schmerzliche Situation, der diese Menschen in der DDR unterworfen waren, grundlegend zum Besseren verändert werden. Am "Runden Tisch" wurde dieser Vorschlag aufgegriffen und letztendlich durch den Kreistag zum Beschluss erhoben. Dem Augustinuswerk wurde über einen Erbbau-Pachtvertrag das betreffende Gelände und die Baulichkeiten für 99 Jahre zur Verfügung gestellt. Die Villa in der Melanchthonstraße 6 war aus diesem Vertrag vorläufig ausgegliedert, da die Nutzung als Sozialamt aus Sicht der Kreisverwaltung Vorrang hatte. Die Übertragung der Nutzungs- bzw. Eigentumsrechte begann nach Freilenkung des Gebäudes im Mai 2001. Seither steht das Gebäude leer.
Alle Nutzer haben ihren Bedürfnissen entsprechende Um- und Einbauten vorgenommen. So wurde das Dachgeschoss an der Südseite angehoben und ausgebaut. Im gesamten Dachgeschoss wurden Leichtbauwände eingefügt. Die westliche Fassade erhielt ein zusätzliches lang gestrecktes "Schalterfenster".
Im Kellergeschoss befindet sich eine Dokumentationsstätte, welche im Rahmen einer ABM durch das Augustinuswerk errichtet wurde. "Häuser der Unmenschlichkeit werden zu Häusern der tätigen Nächstenliebe", so der Titel, erinnert an die Nutzung des Anwesens durch den Apparat der Staatssicherheit.
Anlässlich der Weltausstellung EXPO 2000 konnte u.a. dieses Exponat in der Korrespondenzregion Dessau-Wittenberg-Bitterfeld auf dem Expo-Kirchenpfad "Wege suchen, Orte finden" präsentiert werden.

Zukunftsvision:

Ansicht der Strassenseite

Ansicht der Straßenseite
© bc bau-consult GmbH

Ansicht vom Eingangsbereich

Ansicht vom Eingangsbereich
© bc bau-consult GmbH

Dokumentationsstätte im Untergeschoss
Die Nutzung dieses Geschosses bleibt nach der bautechnischen Sanierung des Gebäudes im wesentlichen unverändert. Die im Rahmen einer ABM entstandene Dokumentationsstätte "Häuser der Unmenschlichkeit werden zu Häusern der Nächstenliebe" soll als Besuchsobjekt für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Durch ständige Aktualisierung der Ausstellung, die eng mit der Entwicklung der Behindertenhilfe im Landkreis und mit der Entwicklung des Augustinuswerkes verbunden ist, soll ihre Anziehungskraft erhöht werden.

Informations- und Kommunikationszentrum im Erdgeschoss
Das architektonisch attraktive Erdgeschoss des Gebäudes ist für die Einrichtung eines durch die Öffentlichkeit nutzbaren Informations- und Kommunikationszentrums vorgesehen. In ihm werden - unterstützt durch multimediale Präsentationstechniken - Menschen mit und ohne Behinderungen über die unterschiedlichsten Probleme ihres Zusammenlebens diskutieren, Weiterbildungsangebote wahrnehmen und thematische Ausstellungen gestalten können. Die im Augustinuswerk erarbeiteten Möglichkeiten zur Kommunikation mit Menschen, die sich nicht mit Hilfe der Sprache verständigen können, sollen Interessenten zugänglich gemacht werden. Versorgungstechnische Einrichtungen runden das Angebot ab.

Verwaltung des Augustinuswerkes im Obergeschoss u. Dachgeschoss
In den beiden oberen Etagen des Hauses werden für die zentrale Verwaltung des Augustinuswerkes erstmals angemessene Arbeitsbedingungen geschaffen. Im Verlaufe seiner 10-jährigen Geschichte konnte das Augustinuswerk mit Hilfe von Fördermitteln des Sozialhilfeträgers für alle Betreuungsbereiche der Behinderten- und Altenhilfe Neubauten errichten und Altbauten sanieren. Die Notwendigkeit einer leistungs-fähigen und auch personell erweiterten Verwaltung ergibt sich aus einem stets stei-gendem Angebot an Plätzen für Betreute und Beschäftigte.

Fazit:

Perspektive nach geplanter Rekonstruktion

Perspektive nach geplanter Rekonstruktion
© bc bau-consult GmbH

Unsere Zielstellung ist es, dem öffentlichen Interesse an dem Grundstück Melanchthonstraße 6 in der Lutherstadt Wittenberg gerecht zu werden:

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ein Baudenkmal des Landes Sachsen-Anhalt vor weiterem Verfall zu bewahren;

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das Stadtbild der Lutherstadt Wittenberg im Bereich der Melanchthonstraße wieder herzustellen;

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die Dokumentationsstätte "Häuser der Unmenschlichkeit werden zu Häusern der tätigen Nächstenliebe" in der ehemaligen Stasi-Zentrale des Kreises Wittenberg als Besuchsobjekt für die Öffentlichkeit erlebbar zu erhalten;

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Integrations- und Kommunikationsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen zu schaffen;

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das Verständnis für Menschen mit Behinderungen und alte Menschen im breiteren Bevölkerungskreisen zu verbessern und neue Chancen für die gleichberechtigte Teilhabe am Leben für alle zu öffnen;

-

die Forderungen der Menschen dieser Stadt aus den Zeiten der Wende, des Runden Tisches und des Kreistages Wittenberg zur Stasi-Zentrale mit Leben zu erfüllen.



Danke!



An dieser Stelle möchten wir uns recht herzlich bei allen Spendern und Sponsoren bedanken, die uns bei verschiedenen Anliegen unterstützen.



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